Satz zum Vergleich von durch Metriken induzierten Topologien
Seien \(d\) und \(d'\) zwei Metriken auf einer Menge \(X\), und seien \(\mathcal{T}\) bzw. \(\mathcal{T}'\) die von ihnen induzierten Topologien. Die Topologie \(\mathcal{T}'\) heißt feiner als \(\mathcal{T}\), genau dann, wenn für jedes \(x \in X\) und jedes \(\varepsilon > 0\) ein \(\delta > 0\) existiert mit $$ B_{d'}(x, \delta) \subseteq B_d(x, \varepsilon). $$ Dabei bezeichnen \(B_d(x, \varepsilon)\) und \(B_{d'}(x, \delta)\) die offenen Kugeln mit Zentrum \(x\) und Radien \(\varepsilon\) bzw. \(\delta\), definiert durch die Metriken \(d\) und \(d'\).
Die zentrale Idee ist einfach: Auf derselben Menge \(X\) kann man unterschiedliche Metriken definieren. Jede dieser Metriken erzeugt eine eigene Topologie, also eine bestimmte Struktur von offenen Mengen.
- Die Metrik \(d\) induziert die Topologie \(\mathcal{T}\).
- Die Metrik \(d'\) induziert die Topologie \(\mathcal{T}'\).
Der Satz liefert ein klares Kriterium, um diese beiden Topologien zu vergleichen. Er sagt:
Die Topologie \(\mathcal{T}'\) ist genau dann feiner als \(\mathcal{T}\), wenn jede offene Menge von \(\mathcal{T}\) lokal durch offene Mengen von \(\mathcal{T}'\) beschrieben werden kann.
Anschaulich bedeutet das: Um jeden Punkt einer offenen Menge aus \(\mathcal{T}\) herum findet man eine kleinere offene Umgebung, die bereits zur Topologie \(\mathcal{T}'\) gehört.
Dieses Kriterium ist besonders nützlich, weil es den Vergleich von Topologien auf eine konkrete Bedingung für offene Kugeln zurückführt.
Beispiel
Betrachten wir die Ebene \(X = \mathbb{R}^2\) mit zwei verschiedenen Metriken.
- Euklidische Metrik: $$ d((x_1, y_1), (x_2, y_2)) = \sqrt{(x_2 - x_1)^2 + (y_2 - y_1)^2}. $$ Die offenen Kugeln sind Kreisscheiben: $$ B_d((x, y), \varepsilon) = \{(u, v) \in \mathbb{R}^2 : \sqrt{(u - x)^2 + (v - y)^2} < \varepsilon\}. $$
- Diskrete Metrik: $$ d'((x_1, y_1), (x_2, y_2)) = \begin{cases} 0 & \text{falls } (x_1, y_1) = (x_2, y_2), \\ 1 & \text{falls } (x_1, y_1) \neq (x_2, y_2). \end{cases} $$ Die offenen Kugeln sind: \[ B_{d'}((x, y), \delta) = \begin{cases} \{(x, y)\} & \text{für } \delta \leq 1, \\ X & \text{für } \delta > 1. \end{cases} \]
Wir wollen zeigen, dass die diskrete Topologie feiner ist als die euklidische.
Nach dem Satz genügt es zu prüfen, ob gilt:
$$ \forall x \in X, \forall \varepsilon > 0, \ \exists \delta > 0 \text{ mit } B_{d'}(x, \delta) \subseteq B_d(x, \varepsilon). $$
Sei \(P = (x_0, y_0)\) ein beliebiger Punkt und \(\varepsilon > 0\). Die Menge \(B_d(P, \varepsilon)\) ist eine offene Kreisscheibe um \(P\).
Für die diskrete Metrik gilt:
- Ist \(\delta \leq 1\), dann ist \(B_{d'}(P, \delta) = \{P\}\).
- Ist \(\delta > 1\), dann ist \(B_{d'}(P, \delta) = X\).
Insbesondere ist jede Einpunktmenge offen.
Wählen wir \(\delta = 1\), so erhalten wir \(B_{d'}(P, \delta) = \{P\}\). Da \(P\) in jeder euklidischen Kugel um sich selbst liegt, gilt sofort:
$$ B_{d'}(P, \delta) \subseteq B_d(P, \varepsilon). $$
Ein konkretes Beispiel: Der Punkt \(P = (1, 2)\) und die euklidische Kugel mit Radius \(\varepsilon = 0{,}4\). Diese Kugel ist eine offene Menge.

In der diskreten Topologie ist \(\{P\}\) offen. Da dieser Punkt in der Kreisscheibe liegt, ist die Bedingung erfüllt. Dasselbe Argument funktioniert für jeden Punkt der Ebene.
Damit folgt unmittelbar: Die diskrete Topologie ist feiner als die euklidische.
Beweis
Die Aussage beruht auf einer Äquivalenz. Beide Richtungen lassen sich direkt aus den Definitionen ableiten.
A] Erste Richtung
Angenommen, \(\mathcal{T}'\) ist feiner als \(\mathcal{T}\).
- Dann ist jede offene Menge von \(\mathcal{T}\) auch in \(\mathcal{T}'\) offen.
- Insbesondere ist jede Kugel \(B_d(x, \varepsilon)\) offen in \(\mathcal{T}'\).
- Nach der Definition von Offenheit enthält diese Kugel um jeden Punkt eine \(d'\)-Kugel.
- Daraus folgt die Existenz eines \(\delta > 0\) mit $$ B_{d'}(x, \delta) \subseteq B_d(x, \varepsilon). $$
B] Zweite Richtung
Nun sei vorausgesetzt, dass für alle \(x\) und \(\varepsilon\) eine solche Inklusion existiert.
- Sei \(U\) eine offene Menge in \(\mathcal{T}\).
- Dann enthält \(U\) um jeden Punkt eine Kugel \(B_d(x, \varepsilon)\).
- Diese enthält wiederum eine \(d'\)-Kugel \(B_{d'}(x, \delta)\).
- Damit besitzt jeder Punkt von \(U\) eine offene Umgebung in \(\mathcal{T}'\), die in \(U\) liegt.
Also ist \(U\) auch in \(\mathcal{T}'\) offen. Damit ist \(\mathcal{T}'\) feiner als \(\mathcal{T}\).
Die Äquivalenz ist damit vollständig gezeigt.
Und so weiter.