Jeder metrische Raum ist ein Hausdorff-Raum

Jeder metrische Raum erfüllt die Hausdorff-Eigenschaft. Umgekehrt kann ein topologischer Raum, der diese Eigenschaft nicht besitzt, nicht durch eine Metrik beschrieben werden.

Ein Hausdorff-Raum zeichnet sich dadurch aus, dass sich beliebige zwei verschiedene Punkte durch disjunkte offene Mengen voneinander trennen lassen.

Anschaulich bedeutet das: Sobald eine sinnvolle Abstandsfunktion existiert, kann man immer zwei offene Umgebungen finden, die sich nicht überschneiden und jeweils genau einen der beiden Punkte enthalten.

Hinweis : Die Hausdorff-Eigenschaft muss für jedes Paar verschiedener Punkte gelten, ohne Ausnahme.

Ein konkretes Beispiel

Betrachten wir die euklidische Ebene \(\mathbb{R}^2\) mit der üblichen Distanz zwischen zwei Punkten \(x = (x_1, x_2)\) und \(y = (y_1, y_2)\):

$$ d(x, y) = \sqrt{(x_1 - y_1)^2 + (x_2 - y_2)^2}. $$

Mit dieser Distanz wird \(\mathbb{R}^2\) zu einem metrischen Raum.

In jedem metrischen Raum, und damit auch hier, gilt automatisch die Hausdorff-Eigenschaft. Zwei verschiedene Punkte lassen sich immer trennen.

Seien \(A = (x_1, y_1)\) und \(B = (x_2, y_2)\) zwei verschiedene Punkte in \(\mathbb{R}^2\).

Ihr Abstand ist strikt positiv: \(d(A, B) > 0\).

Wir wählen nun einen Radius, der kleiner ist als die Hälfte dieses Abstands:

$$ r = d(A, B) / 2 $$

Damit definieren wir zwei offene Kugeln:

  • \(U = \{ P \in \mathbb{R}^2 : d(P, A) < r \}\),
  • \(V = \{ P \in \mathbb{R}^2 : d(P, B) < r \}\).

Diese beiden offenen Mengen schneiden sich nicht:

$$ U \cap V = \varnothing $$

Warum ist das so? Jeder Punkt aus \(U\) liegt näher bei \(A\) als bei \(B\), und umgekehrt liegt jeder Punkt aus \(V\) näher bei \(B\) als bei \(A\).

Da dieses Argument für beliebige Punktpaare gilt, ist \(\mathbb{R}^2\) mit der euklidischen Metrik ein Hausdorff-Raum.

Beispiel 2

Nun betrachten wir \(\mathbb{R}\) mit der sogenannten kofiniten Topologie.

Hier ist eine Menge \(U \subseteq \mathbb{R}\) genau dann offen, wenn sie leer ist oder ihr Komplement \(\mathbb{R} \setminus U\) endlich ist.

Das bedeutet: Offene Mengen enthalten fast alle reellen Zahlen, bis auf endlich viele Ausnahmen.

Seien \(x, y \in \mathbb{R}\) zwei verschiedene Punkte.

Versuchen wir, sie durch disjunkte offene Mengen zu trennen.

Sei \(U\) eine offene Menge mit \(x \in U\). Dann enthält \(U\) alle reellen Zahlen bis auf endlich viele.

Ebenso sei \(V\) eine offene Menge mit \(y \in V\), deren Komplement ebenfalls endlich ist.

Damit enthalten sowohl \(U\) als auch \(V\) fast alle Punkte von \(\mathbb{R}\). Ihr Durchschnitt ist daher notwendigerweise unendlich.

Eine Trennung ist also unmöglich, denn \(U \cap V \neq \varnothing\).

Hinweis : Betrachten wir konkret \(x = 1\) und \(y = 2\). Versuchen wir, diese Punkte zu trennen.

  • Wähle eine offene Menge \(U\), die \(1\) enthält, indem du eine kleine Umgebung um \(2\) ausschließt: $$ U = \mathbb{R} \setminus (2-\epsilon, 2+\epsilon) $$
  • Analog wähle \(V\), das \(2\) enthält, und schließe eine Umgebung von \(1\) aus: $$ V = \mathbb{R} \setminus (1-\epsilon, 1+\epsilon) $$

Beide Mengen haben weiterhin unendlich viele gemeinsame Punkte: $$ U \cap V = \mathbb{R} \setminus \left[(2 - \epsilon, 2 + \epsilon) \cup (1 - \epsilon, 1 + \epsilon)\right] \ne \emptyset $$

Auch hier zeigt sich: Eine Trennung durch disjunkte offene Mengen ist nicht möglich.

Daraus folgt, dass der Raum \((\mathbb{R}, \text{kofinite Topologie})\) kein Hausdorff-Raum ist.

Folglich kann er nicht durch eine Metrik beschrieben werden.

Allgemeiner Beweis

Seien \(x\) und \(y\) zwei verschiedene Punkte in einem metrischen Raum \((X, d)\).

Da \(x \ne y\), ist der Abstand \(d(x, y)\) strikt positiv. Setze \(\varepsilon = d(x, y)\).

Betrachte die offenen Kugeln um \(x\) und \(y\) mit Radius \(\varepsilon / 2\):

  • \(U = \{z \in X : d(x, z) < \varepsilon / 2\}\),
  • \(V = \{z \in X : d(y, z) < \varepsilon / 2\}\).

Wir zeigen, dass sich diese Mengen nicht schneiden.

Angenommen, es gibt einen Punkt \(z \in U \cap V\). Dann gilt:

  • \(d(x, z) < \varepsilon / 2\),
  • \(d(z, y) < \varepsilon / 2\).

Mit der Dreiecksungleichung folgt:

$$ d(x, y) \leq d(x, z) + d(z, y) < \varepsilon $$

Das steht im Widerspruch zu \(d(x, y) = \varepsilon\).

Also können \(U\) und \(V\) keinen gemeinsamen Punkt besitzen.

Damit ist gezeigt: In jedem metrischen Raum lassen sich zwei verschiedene Punkte immer durch disjunkte offene Mengen trennen.

Jeder metrische Raum ist somit ein Hausdorff-Raum.

Der Beweis ist abgeschlossen.

 


 

Please feel free to point out any errors or typos, or share suggestions to improve these notes.

FacebookTwitterLinkedinLinkedin

Metrische Topologie