Satz über stetige Abbildungen und den Abschluss
Sei \( f : X \to Y \) eine stetige Abbildung und \( A \subset X \). Liegt ein Punkt \( x \in X \) im Abschluss von \( A \), also \( x \in Cl(A) \), dann liegt auch sein Bild \( f(x) \) im Abschluss der Bildmenge. Formal ausgedrückt gilt \( f(x) \in Cl(f(A)) \).
Die Aussage bringt eine zentrale Idee der Topologie auf den Punkt. Stetigkeit bewahrt nicht nur Grenzwerte, sondern auch die Nähebeziehung zu Mengen. Was sich an \( A \) „annähert“, wird durch \( f \) auf etwas abgebildet, das sich an \( f(A) \) annähert.
Topologisch formuliert: Befindet sich \( x \) beliebig nah an \( A \), so befindet sich \( f(x) \) beliebig nah an \( f(A) \). Die Abbildung kann Werte verändern, aber sie zerstört keine Adhärenz.
Veranschaulichendes Beispiel
Betrachten wir die stetige Abbildung \( f : \mathbb{R} \to \mathbb{R} \) mit \( f(x) = x^2 \). Als Menge wählen wir \( A = (0, 2) \subseteq \mathbb{R} \).
$$ A = (0,2) $$
Der Abschluss von \( A \) ist \( Cl(A) = [0, 2] \). Neben allen Punkten des offenen Intervalls gehören auch die Randpunkte \( 0 \) und \( 2 \) dazu. Diese liegen nicht in \( A \), sind jedoch Häufungspunkte.
$$ Cl(A) = [0,2] $$
Das Bild der Menge unter \( f \) ergibt \( f(A) = (0, 4) \). Für \( x \in (0,2) \) nimmt \( x^2 \) genau die Werte zwischen \( 0 \) und \( 4 \) an.
$$ f(A) = (0,4) $$
Der Abschluss der Bildmenge ist folglich \( Cl(f(A)) = [0, 4] \). Die Endpunkte entstehen als Grenzwerte der Funktion.
$$ Cl(f(A)) = [0,4] $$
Nun zeigt sich die Kernaussage des Satzes konkret:
- Der Randpunkt \( x = 0 \in Cl(A) \) wird auf \( f(0) = 0 \in Cl(f(A)) \) abgebildet.
- Der Randpunkt \( x = 2 \in Cl(A) \) wird auf \( f(2) = 4 \in Cl(f(A)) \) abgebildet.
- Alle Punkte \( x \in (0,2) \subset Cl(A) \) besitzen Bilder innerhalb von \( Cl(f(A)) \).
Das Beispiel macht sichtbar, was der Satz allgemein garantiert. Abschluss bleibt unter stetigen Abbildungen erhalten.
Beweis
Sei \( f : X \to Y \) stetig, \( x \in X \) und \( A \subset X \).
Wir führen einen Widerspruchsbeweis. Angenommen, \( f(x) \notin Cl(f(A)) \).
$$ f(x) \notin Cl(f(A)) $$
Dann existiert nach Definition des Abschlusses eine offene Menge \( B \subseteq Y \), sodass \( f(x) \in B \) und \( B \cap f(A) = \emptyset \).
Es gibt also eine Umgebung von \( f(x) \), die keinen Punkt aus \( f(A) \) enthält.
Da \( f \) stetig ist, ist das Urbild \( f^{-1}(B) \) offen in \( X \) und enthält den Punkt \( x \).
Aus \( B \cap f(A) = \emptyset \) folgt unmittelbar \( f^{-1}(B) \cap A = \emptyset \).
Damit existiert eine offene Menge in \( X \), die \( x \) enthält und disjunkt zu \( A \) ist. Das widerspricht der Voraussetzung \( x \in Cl(A) \).
Die Annahme ist also falsch. Folglich gilt zwingend \( x \in Cl(A) \Rightarrow f(x) \in Cl(f(A)) \).
Bemerkung : Der entscheidende Schritt nutzt eine fundamentale Eigenschaft stetiger Abbildungen. Das Urbild einer offenen Menge ist offen. Genau diese Strukturerhaltung überträgt das Adhärenzverhalten von \( A \) auf \( f(A) \).
Damit ist der Beweis abgeschlossen.