Topologischer Graph
Ein topologischer Graph ist ein topologischer Raum, der aus einer endlichen Menge von Punkten besteht, den sogenannten « Knoten », sowie aus einer endlichen Menge paarweise disjunkter abgeschlossener Intervalle in \(\mathbb{R}\), die man als « Kanten » bezeichnet. Diese Kanten werden nach klar festgelegten Anschlussregeln mit den Knoten verbunden.
Die Topologie des so entstehenden Raumes hängt vollständig davon ab, wie diese Verbindungen realisiert werden. Genau dadurch erhält der Graph seinen doppelten Charakter: Er ist zugleich ein geometrisches Objekt und ein topologischer Raum, der die Beziehungen zwischen den Knoten strukturiert darstellt.
Auf diese Weise lässt sich ein topologischer Raum konstruieren, der die Struktur eines Graphen anschaulich und präzise abbildet.
Anmerkung : Es handelt sich um einen Spezialfall der Quotiententopologie. Dabei wird ein topologischer Raum mit einer neuen Topologie versehen, um daraus einen weiteren Raum zu erzeugen, den man als « induzierten Raum » bezeichnet. Konkret entsteht dieser Raum, indem eine Menge von Intervallen systematisch an eine Menge von Knoten angeklebt wird. Ausgangspunkt sind einfache Bausteine, nämlich abgeschlossene Intervalle, die durch die Identifikation ausgewählter Punkte zu einer komplexeren topologischen Struktur zusammengeführt werden.
Konstruktion eines topologischen Graphen
Die Konstruktion eines topologischen Graphen lässt sich übersichtlich in zwei grundlegende Schritte gliedern :
- Knoten : Zunächst wählt man eine endliche Menge von Punkten, die als Knoten dienen. Zur Veranschaulichung können sie beispielsweise mit A, B, C, D, E und F bezeichnet werden.
- Kanten : Anschließend betrachtet man eine endliche Menge von Intervallen (Strecken), die jeweils zwei Endpunkte besitzen. Diese Endpunkte werden gezielt mit bestimmten Knoten identifiziert. Auf diese Weise werden die Verbindungen festgelegt, und die Intervalle übernehmen die Rolle der Kanten des Graphen.
Mit anderen Worten verbindet man Intervalle in wohldefinierter Weise mit Knoten, um eine Struktur zu erhalten, die man als Graph bezeichnet.
Die Bezeichnung « topologisch » verweist darauf, dass nicht Längen oder Winkel entscheidend sind, sondern die Art, wie die einzelnen Teilräume miteinander zusammengesetzt werden.
Anschauliches Beispiel
Betrachten wir drei verschiedene abgeschlossene Intervalle in \(\mathbb{R}\) :
$$ I_1 = [0, 1], \quad I_2 = [0, 1], \quad I_3 = [0, 1] $$
Es handelt sich um einfache Strecken mit den Endpunkten \(0\) und \(1\).
Wir definieren nun eine Menge \( G \), die aus drei Knoten besteht, die wir mit \(A\), \(B\) und \(C\) bezeichnen :
$$ G = \{ A, B, C \} $$
Diese Knoten sind die Punkte, an denen die Endpunkte der Intervalle identifiziert werden.

Nun wenden wir das Prinzip der Quotiententopologie an, indem wir die Endpunkte der Intervalle mit festgelegten Knoten identifizieren :
- Der Endpunkt \(0\) von \(I_1\) wird mit \(A\) identifiziert, der Endpunkt \(1\) mit \(B\).
- Der Endpunkt \(0\) von \(I_2\) wird mit \(B\) identifiziert, der Endpunkt \(1\) mit \(C\).
- Der Endpunkt \(0\) von \(I_3\) wird mit \(A\) identifiziert, der Endpunkt \(1\) mit \(C\).
Auf diese Weise entsteht ein Graph mit drei Knoten \(A\), \(B\), \(C\) und drei Kanten, die jeweils die Paare : \( (A, B) \), \( (B, C) \) und \( (A, C) \) miteinander verbinden.

Ausgehend von disjunkten Intervallen und der Identifikation ihrer Endpunkte mit Knoten entsteht so eine neue mathematische Struktur: der topologische Graph.
Zusammengefasst bedeutet die Konstruktion eines topologischen Graphen, Intervalle um ausgewählte Knoten herum zu verkleben, um eine relationale Struktur übersichtlich und präzise zu modellieren.
Dieses Vorgehen lässt sich ohne Weiteres auf deutlich komplexere Graphen verallgemeinern, die eine größere Anzahl von Knoten und Kanten enthalten.